THG-Quote & HVO-Zertifikate 2026 — kompakt und belegt
Wer bei HVO100 mitreden will, muss die Nachweiskette und die Quotenlogik kennen. Hier die Fakten mit Primärquellen — und unsere klare Rolle als neutrale Plattform.
Stand: Juli 2026 · Allgemeine Einordnung, keine Rechts- oder Steuerberatung.
1 Die Quote 2026: 12,0 %
12,0 % Treibhausgasminderung, § 37a BImSchG
2024 · 9,35 %2025 · 10,6 %2026 · 12,0 %2027 · 17,5 %2030 · ~25–26,5 %2035 · 41 %
Gesetzlich steigender Pfad.1 Für 2026 stimmen der Zoll-Pfad und der RED-III-Umsetzungsentwurf auf 12 % überein; die Folgejahre werden im RED-III-Entwurf noch angepasst.2
2 Wer ist verpflichtet — und wer zieht den Wert?
- Quotenpflichtig ist ausschließlich der Inverkehrbringer fossiler Otto-/Dieselkraftstoffe (Energiesteuerschuldner, i. d. R. die Mineralölwirtschaft) — nicht die verbrennende Flotte/Spedition.1
- Die Erfüllung (nicht die Pflicht) ist übertragbar (§ 37a Abs. 6 BImSchG) → daraus ist der Quotenhandel entstanden.3
- Bei HVO100 hebt den Quotenwert der Inverkehrbringer/Lieferant; er ist im Kraftstoffpreis bereits eingepreist. Die Spedition zieht für flüssiges HVO keine eigene Quote.3
3 Der Unterschied zum Ladestrom (E-Lkw)
Beim Ladestrom für reine Batterie-Fahrzeuge darf der Ladepunktbetreiber bzw. (beim nicht-öffentlichen Laden) der Fahrzeughalter die Strommengen dem Umweltbundesamt melden und die Quote selbst ziehen (38. BImSchV, §§ 6–8; Strom mit dreifachem Energiegehalt).4 Das ist der fundamentale Unterschied: Strom → Flotte kann selbst anrechnen; HVO → Vorteil liegt beim Inverkehrbringer.
4 HVO-Anrechnung & das Ende der Doppelanrechnung
- HVO100 (paraffinischer Diesel EN 15940) wird voll als Biokraftstoff angerechnet, sofern ohne Co-Processing mit Mineralöl und mit gültigem Nachhaltigkeitsnachweis (Biokraft-NachV). Co-processed HVO zählt ab 2024 nur mit Anhang-IX-A-Rohstoffen.5
- Fortschrittliche Biokraftstoffe aus Anhang IX Teil A (u. a. HVO aus Rest-/Abfallstoffen) durften oberhalb der Unterquote seit 2020 doppelt angerechnet werden — ein zentraler Preistreiber. Diese Doppelanrechnung endet: Übergang 2026, volle Abschaffung ab 2027.6
- Markt-Kontext: Die Quote wurde massiv übererfüllt → der Quotenpreis fiel von ~400 €/t auf ~80 €/t CO₂ — daher der heutige Reformdruck (steigende Quote, Ende Doppelanrechnung).6
5 Die Nachweiskette 2026
- Rahmen: RED III — RL (EU) 2023/2413; national Biokraft-NachV/BioSt-NachV.7
- Zertifizierung: freiwillige EU-Systeme ISCC-EU / REDcert-EU; die BLE erkennt Zertifizierungsstellen an und kontrolliert sie.7
- Nachweis je Charge: Proof of Sustainability (PoS) mit ausgewiesenem THG-Wert — ausgestellt nur von der letzten Schnittstelle/dem Produzenten; je Weitergabe ein Teilnachweis (PPOS); Chain-of-Custody per Massenbilanz.7
- Register: elektronisch über Nabisy (BLE) plus die verpflichtende EU-Unionsdatenbank (Art. 31a RED).8
- Ohne Nachweis = fossil: ohne gültigen elektronischen Nachweis (oder ohne ausgewiesene THG-Emissionen) gilt der Biokraftstoff nach § 37a Abs. 4 S. 7 Nr. 1–3 BImSchG wie fossiler Kraftstoff — er zählt nicht als Minderung.8
★ Unsere Rolle — Das sagen wir / das sagen wir nicht
✓ Das sagen wir
- Wir reichen den Nabisy-basierten Nachweis (PoS/Teilnachweis mit THG-Wert, ISCC/REDcert, Massenbilanz) des Lieferanten transparent durch — auf den Beschaffungsbeleg.
- Die THG-Quote ordnen wir klar dem Inverkehrbringer/Lieferanten zu.
- HVO senkt die Emissionen well-to-wheel je nach Charge deutlich — informativ, maßgeblich ist der PoS.
✗ Das sagen wir nicht
- Wir stellen keine Zertifikate aus.
- Wir rechnen keine THG-Quote an und handeln sie nicht.
- Wir attestieren keine CO₂-Einsparung (nur die Angabe des Inverkehrbringers wiedergeben).
So bleibt die Kette prüfungsfest: der Lieferant bringt den belastbaren Nachweis, Sie bekommen ihn transparent, niemand rechnet doppelt.
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